showreel – Serge Fouha, © 2015


 

Was heißt es Schauspieler zu werden und zu sein in Kamerun

In Kamerun gibt es keine Schauspielschule und Filmhochschule. Meine Ausbildung und beruflichen Erfahrungen habe ich mir insbesondere in non-formalen Lehrgängen und Workshops in Kamerun und Burkina Faso, in Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern und autodidaktisch angeeignet (siehe Ausbildungsweg). Der größte Teil meiner Arbeit als freier Schauspieler und Künstler fand bisher in selbst organisierten Theater- und Filmprojekten statt. Ich blicke auf eine über 10jährige Qualifizierungs- und Praxiserfahrung als Schauspieler zurück. Nachweise, so wie sie in Deutschland und den europäischen Ländern üblich sind, kann ich aufgrund der prekären Ausbildungssituation in Kamerun und anderen afrikanischen Ländern leider nicht vorweisen.
Zur Situation von Theater und Theaterausbildung in Kamerun und afrikanischen Ländern: siehe auch Rolf, C. Hemke (Hg.). Theater südlich der Sahara. Theatre in Sub-Saharan Africa. 2010.

Mein Ausbildungsweg

Meine Ausbildung erhielt ich zwischen 2000 und 2002 bei der Theaterkompagnie Ngoti, unter der Leitung von Jean Minguélé. Anschließend nahm ich an verschiedenen Workshops teil. Im Jahre 2005 gründete ich mit befreundeten Schauspielern die Theatergruppe ACOR Contemporain. Im darauffolgenden Jahr besuchte ich einen Workshop zur Interpretation zeitgenössischer Theatertexte, unter der Leitung Martin Ambaras, einem sehr bekannten kamerunischen Regisseur. Außerdem reiste ich mit Stücken als Schauspieler zu mehreren Literatur- und Theaterfestivals in verschiedene afrikanischen Ländern sowie nach Frankreich, darunter im Jahre 2008 in den Tchad (Festival International des Arts pour l’Union et la Paix), Niger, Burkina Faso (Festival Yeleen) und Nigeria, und im Jahre 2009 Benin (Le Printemps des Poétes) und Frankreich (Festival International Théâtre les Arlequins).Weitere, sehr wichtige Workshops zur Qualifizierung für mich waren im Jahre 2008 „Comedia dell’arte“ und „Masken im Theater“ an der Schule C.E.F.R.A.V von Jean-Pierre Guingané in Ouagadougou, Burkina Faso. Beide Seminare wurden geleitet von Lucas Fusi, Italien.
Zwischen 2005 und 2008 spielte ich unter Anderem in den Stücken „L’équilibre“ von Francis Beïdi, „Courir tout court“ von Noudjiep Emery, „Le procès de l’oreille rouge“ von Cocou Yemadje (Benin), „Le Temps d’une Cigarette“ von Martin Ambara und „Jaz“ von Koffi Kwahullé (Elfenbeinküste). Seit 2008 arbeite ich außerdem als Regisseur um junge kamerunische Autoren zu fördern. Zu meinen Inszenierungen gehören „Les Martyrans“ von Edouard Elvis Bvouma, „Les roses à sang d’ancre“ von Kouanang Steveck und „Il avait plus sur la rose“ von Nicaise Wegang.
In 2010 gründete er die Compagnie S.L.A.M. (Abkürzung für Savoir Libérer Son Âme du Monde, auf deutsch: Seine Seele von der Welt befreien können), um an weiteren, persönlicheren Theaterprojekten zu arbeiten.

Praktische Filmerfahrung habe ich als Schauspieler und Regieassistent in kamerunischen und deutschen Produktionen (siehe auch Lebenslauf). 2004 spielte ich in einer der vier Folgen der Kurzfilmserie „Les scènes vie“ von Augustine Fouda. Sie lief im Programm des öffentlichen Kameruner Senders CRTV. 2007 spielte ich einen Gangleader in mehreren Folgen der kamerunischen Fernsehserie „Inspecteur Baka“ von Basseck Ba Kobhio. 2009 habe ich bei dem Kurzfilm „Electo choc“ von Emery Noudjiep die Hauptrolle gespielt und als Regieassistent gearbeitet. Der Film nahm teil am Festival panafricain du cinéma et de la télévision de Ouagadougou (FESPACO) 2009 in Burkina Faso und am Festival RIFIC 2010 in Kamerun. In dem Film „Schlafkrankheit“ von Ulrich Köhler spiele ich eine kleine Rolle eines Straßenhändlers. Seit 2011 lebe ich in Berlin und folge meine Schauspiel und Regie Karriere weiter.